Richtig Rücktreten: Was passiert jetzt mit Oppermann?

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Alpha Presse erschienen.

Niemand muss zurück treten, wenn die eigene Partei das nicht will. Auch wenn draußen die Hölle los ist. Dafür muss die Partei weiterhin vollkommen davon überzeugt sein, dass diese Person mehr Nutzen als Schaden für die Partei hat – eine Überzeugung, die Roland Koch seiner Partei immer geben konnte. Deshalb durfte er immer bleiben. Wie ist das mit Oppermann und einem möglichen Rücktritt?

Generell: Wozu ist ein Rücktritt gut?

Ein Rücktritt schmerzt – immer. Das ist sein Zweck: Schmerz. Er soll der Organisation, der die zurücktretende Person angehört, Schmerzen bereiten. Und wenn der Rücktritt ein gutes Timing hat, wirkt dieser Schmerz katharsisch und reinigend. Martialisch formuliert wird ein entzündetes Gliedmaß abgeschnitten, damit die Entzündung nicht übergreift.

Schmerz wird im politischen Geschäft durch negative Berichterstattung und ein negatives Image erzeugt. Das führt zu weniger Sitzen im Parlament und damit zu unzufriedenen aktiven Parteimitgliedern. Jedes Parteimitglied stellt sich also immer wieder die Frage: Welcher Weg ist weniger schmerzhaft: Mit oder ohne Rücktritt? Im Falle des angesprochenen Roland Koch glaubte die Partei also immer, dass er langfristig gute Politik macht und weiter Wahlen gewinnt. Sie sollten Recht behalten.

Der Zeitpunkt des Rücktritts ist wichtig.

Ein Rücktritt darf nicht zu früh erfolgen. Denn wenn die Affäre danach weitergeht, findet die Presse neue Verantwortliche. Jeder Artikel mit einem neuen Fakt möchte gerne mit einem Apell enden – jemand muss Konsequenzen ziehen. Gute Journalisten finden immer jemanden, der daraufhin den Rücktritt der zweiten Person fordert. Deshalb sollte die ursprüngliche Person so lange wie möglich ausharren, um all die weiteren Details zu absorbieren und mit ihnen allen zurück zu treten.

So hat Bob Dudley von BP erst die Krise zu Ende gemanagt – auch als Blitzableiter – um danach mit allen begangenen Fehlern zurück zu treten. In der Affäre Edathy verhält es sich anders: So ähnlich wie der ADAC-Sprecher Ramstetter viel zu schnell zurück trat und deshalb unweigerlich auch der Präsident Meyer gehen musste, ist Friedrich so schnell gegangen, dass die Presse nun ein weiteres Opfer fordert.

Will die SPD ihn halten oder nicht?

Wie eingangs erwähnt, ist allerdings immer noch entscheidend, was die Partei selbst will. Wenn sie Oppermann halten will, wird sie ihn halten. Die SPD-Spitze um Gabriel musste sich daher gestern entscheiden, ob sie Oppermann grundsätzlich halten mag oder nicht.

Wenn nicht, dann sollte sie ihn trotzdem stützen und beispielsweise „volles Vertrauen“ oder Ähnliches aussprechen, um ihm dann zum richtigen Zeitpunkt den Rücktritt nahezulegen – verbunden mit der Aussucht auf ein samtenes Kissen in einem Ministerium oder einer Stiftung.

Will sie ihn wirklich halten, muss die Spitze ihr eigenes Schicksal eng an seines knüpfen. Das hat Gabriel gestern gemacht: Eine volle Verteidigung nach vorne. Wenn Oppermann jetzt geht, ist Gabriel ebenfalls beschädigt. Die SPD wird sich gründlich überlegen, ob sie das gestattet.

Wenn also keine weiteren, gefährlichen Erkenntnisse heraus kommen, wird Oppermann bleiben. Gefährliche Erkenntnisse wären beispielsweise, dass er Edathy doch vorgewarnt hat. Deshalb wird die SPD jetzt viel daran setzen, einen alternativen Maulwurf zu präsentieren.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>