Päpstliche PR – Franziskus sollte nun beichten und aufräumen

Papst Franziskus. Quelle: presidencia.gov.ar [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Der neue Papst Franziskus hat seit seiner Wahl geprägt. Durch den Namen Franziskus, der für Liebe zur Natur und den Armen steht, durch Bilder von ihm in U-Bahn und Supermarkt und durch seine öffentlichen Auftritte, bei denen er hinter dem Panzerglas hervor tritt und so Menschen berührt. Der Papst von nebenan. Ein Obama. Einer, der auch Sozialismus predigen könnte. Einer, der die Messe mit Blick Richtung Schäfchen feiert und ihnen nicht den Rücken zuwendet. Das sind wirkmächtige Bilder, die bleiben werden, ein Erfolg der päpstlichen PR. Wer so anfängt, kann bewegen. Aber wer gut startet, kann auch tief fallen. Was sollte er also tun?

Er wird sich mit zwei Gruppen auseinander setzen müssen, die Barmherzigkeit vor allem vom Lesen und Vorlesen kennen: Den Journalisten und der Kurie.

Journalisten: Die Story des Armenpapstes wurde begierig aufgesogen und aufgetischt. Doch bald ist das Thema Bescheidenheit leer. Journalisten brauchen dann eine neue Story. Eine mit Bruchstellen, denn solche Geschichten verkaufen sich. Spontan fallen mir zwei Recherchethesen ein. Erstens: Er ist ja doch nicht so bescheiden, sondern eigentlich arrogant. Oder, etwas positiver, zweitens: Seht, wie das Amt ihn zwingt, weniger demütig zu sein. Beide Geschichten erzeugen Risse im frischen Denkmal und können so die Arbeit erschweren.

Kurie: Der Papst steht für Bewegung; für U-Bahn statt Hubschrauber. Alle davon Betroffenen werden um ihre Pfründe kämpfen. Und sie werden testen, wie weit sie gehen können. Dabei können sie sich der Journalisten bedienen – und deshalb die beiden oben genannten Geschichten bedienen. Und selbst für eine dritte sorgen: Der Fremdkörper Papst und die natürlichen Abstoßungserscheinungen der Kurie. Das Resultat wäre eine Amtszeit, die medial so aussähe, als hinge ihr Wohl und Wehe vom Ausgang des frühen Konflikts mit der Kurie ab.

Wären wir PR-Berater des Papstes, wir würden ihm deshalb folgenden Rat geben:

Richtung Medien: Impfen. Er muss selbst anfangen, relativierende Stories zu streuen, um so Herr des Geschehens zu bleiben. Drei Interviews mit jeweils einem Schwerpunkt auf eines der oben genannten Themen sorgen dafür, dass die Themen weniger oft und dann wohlwollender aufgegriffen werden. Der große Vorteil: Diese Interviews können auch dazu dienen, seine Agenda zu predigen.

Richtung eigene Truppen: Reihen lichten und schließen. Er sollte in der Kurie sehr schnell und unbarmherzig durchgreifen – wer sich als Gegner in Stellung bringt, muss Konsequenzen spüren. Denn so kann die interne Befütterung der drei Stories eingedämmt werden.

Denn wer sich selbst der größte Kritiker ist und seine Truppen hinter sich weiß, kann sicher agieren.

 

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