Hoeneß fürchtet die Fragezeichen-Schlagzeile

By Senfacy (Own work), via Wikimedia Commons

Uli Hoeneß hat ein Riesenproblem. Schuldig: Höchstwahrscheinlich ja. Wie schuldig? Fraglich. Gefängnis, Bewährung, Strafzahlung? Es geht für ihn um viel.

Nicht zuletzt um sein Image, also sein Vermächtnis in der kollektiven Wahrnehmung. Einige Schritte hin zu einer milderen öffentlichen Wahrnehmung hat er bereits unternommen: Er sei spielsüchtig gewesen und habe deshalb Dummheiten gemacht. Das scheint bisher zu funktionieren. Doch welche Gefahren birgt diese Strategie?

Ihr Kernargument lautet: Ich bin eigentlich rechtschaffen, habe nur im Wahn aus Versehen Falsches getan. Wenn „eigentlich rechtschaffen“ und „nur im Wahn“ unglaubwürdig werden, fällt damit die ganze Strategie. Wenn also Medien beginnen, über klar geplante, unsaubere Geschäfte mit viel Geld zu spekulieren, trägt sein Image für immer entstellende Narben.

Von wo droht diese Gefahr? Geschäfte rund um Spielertransfers sind eine mögliche Fundgrube. Über viele Transfers der Neunziger wurde getuschelt – besonders der stete Fluss der Talente des Karlsruher SC (Kahn, Scholl, Tarnat, Fink, Sternkopf) unter Roland Schmider zum 1. FC Bayern machte sich für Gerüchte zu schmierenden Zahlungen gut. Auch wenn nichts dran ist, genügt eine Reihe entsprechender BILD-Schlagzeilen mit Fragezeichen dahinter, um den Ton der Berichterstattung entscheidend zu verändern.

Er sollte also einige wirksame medienrechtliche Instrumente und viele stichhaltige Beweise gegen derartige Spekulationen in der Schublade zu haben, um fragenden Journalisten innerhalb von einer Stunde antworten zu können. So könnte er eine solche Debatte im Keim ersticken. Denn er muss wissen:  Die Öffentlichkeit fällt Urteile anders als ein Gericht. Bei ihr kehrt sich die Unschuldsvermutung um:

In dubio contra reum.

Und eines ist sicher: Feinde hat er genug. Er muss fürchten, dass die sich früher oder später rühren.

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