Warum die Pädophilie-Debatte den Grünen schadet und wie sie das Thema hätten lösen können.

Die Debatte um Pädophilie hat den Grünen schon geschadet und wird ihnen weiter schaden. Allerdings nicht beim moralinsauren Brot- und Buttergeschäft, sondern durch ein Anbröckeln des Markenkerns. Doch was ist passiert?

Die FAS warf der taz einseitige Parteinahme gegen die FDP und für die Grünen vor und publizierte einen Bericht von Christian Füller, der bei der taz von der Chefredakteurin Ines Pohl aus der Zeitung verbannt wurde. Details bei Stefan Niggemeier. In jedem Fall stehen in diesem Artikel eine Reihe von Andeutungen ohne viel neues, Ines Pohl hatte vermutlich recht, indem sie sagte, der Text genüge nicht journalistischen Standards.

(c) Imago Stock & People

Jürgen Trittin grüner als gedacht. (c) Imago Stock & People

Dennoch ist er schädlich. Sehr sogar. Und zwar ziemlich subtil: Ich glaube, dass überzeugte Grüne-Wähler die Partei trotzdem wählen. Aber ich kann mir vorstellen, dass viele Bürgerliche durch die Debatte der Gründungszeit vor Augen geführt bekommen, dass die Grünen vielleicht doch nicht ihr Ding sind. Die Grünen sind gar keine Öko-FDP, sondern Hippies in Nadelstreifen. Mit einem ganzen Strauß komischer Ideen und einer radikal linken DNA.

Deshalb ist die ein-Mann-Kampagne von Christian Füller so gefährlich. Sie nährt sich aus einem Grundgefühl: Die Grünen klären nur halbherzig auf und finden das gar nicht so schlimm.

Das findet Füller schlimm: In einer Zeit, in der sich ein Richard Dawkins gegen scheinbar verharmlosende Zeilen rechtfertigen muss, die “milde” Übergriffe gegen ihn schildern, ist das Thema so sensibel, dass die grüne Spitze hier schnell und hart hätte klären müssen.

Das finden die bürgerlichen Wähler schlimm: Die Grünen grenzen sich nicht hart zu ihren turbulenten Gründungsjahren ab. Jetzt wird auch Trittin wieder “spontisiert” und Geschichten aus seiner Anfangszeit werden warm. Die Unterschiede zwischen der Biographie der Wähler und der Biographie der Gewählten wird scharf und sichtbar heraus gearbeitet. Die grüne Spitze hat den feinen Markenkern der Quasi-Volkspartei nicht geschützt. Das wird Prozente kosten.

Wie hätten die Grünen das verhindern können? Es war absolut richtig, Franz Walter mit der Aufklärung zu beauftragen. Noch besser wäre gewesen, wenn er drei Wochen vor der Wahl damit fertig wird. Weiterhin hätte Betroffenen eine Hotline angeboten werden sollen – “für Stadtindianer-Geschädigte” oder so. Außerdem hätten besonders die Spitzenkandidaten eigengesteuert eine persönliche Bilanz ziehen müssen. Schonungslos und offen. Jetzt hat es den Anschein, als könnten die Grünen nur reagieren. Und das so kurz vor der Wahl. Hier ist die Partei zu leichtfertig mit der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit umgegangen und hat ähnlich umständlich reagiert die die katholische Kirche. Das war ein Fehler.

In den nächsten Tagen werden die Grabenkämpfe der grünen Gründung nachvollzogen und bürgerliche Wähler bleiben zu Hause oder wählen doch die röchelnde FDP. Die ist zwar nicht Öko, aber dafür auch kein Lausehippie.

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>