Krisenkommunikation: Ein Frankfurter Wiener

Frankfurter Würstchen

Stefan Freiherr von Wangenheim, für die FDP im Frankfurter Römer, versandte per Email ein Bild seines besten Stücks an eine Verehrerin. Er ist nicht der erste, der diesem Verlangen nachgibt: Anthony Weiner hatte es vorgemacht: Im Frühsommer 2011 sandte der Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses einer Verehrerin ein Bild seiner Boxershort samt Inhalt. Per Twitter. Eigentlich hatte er geplant, es als private Botschaft zu verschicken. Aber aus Versehen bekamen alle seine Follower das pikante Bild zu Gesicht.

Was folgte, war eine würdelose Schlacht um sein öffentliches Image – erst vertuschte er, dann log er, und schließlich, nach 20 Tagen würdeloser öffentlicher Diskussion trat er zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Repräsentantenhaus bereits eine Untersuchungskommission eingesetzt.

Was kann von Wangenheim davon lernen? So sehr es der Intuition auch zuwider läuft: Derartige Anzüglichkeiten haben keinerlei Konsequenz, so lange man ehrlich bleibt. Klar, es ist kurz Stadtgespräch und alle äußern sich. Aber danach ist Ruhe – es sei denn, es erfolgt eine Verfehlung zweiter Ordnung. Falls der Ruch der Lüge oder der Vertuschung aufsteigt, wird die Affäre endlos hingezogen – die Krise geht in die zweite Runde.

Was wird geschehen? Im ersten BILD-Artikel wird die Frau (Stefanie T., Agentur-Chefin) als Initiatorin und Antreiberin des erotischen Kontakts porträtiert, die dann überreagiert, als sie das eindeutige Bild zugeschickt bekommt. Sollte das der Spin von Wangenheims PR-Mann sein und nicht der Wahrheit entsprechen, wird er ein Problem bekommen. Ist der erste Aufschlag zu positiv, kommt es fast immer zu Zweitrundenproblemen – so verlockend der erste Anfangs-Erfolg auch scheint.

Ich frage mich, ob Stefanie T., Agentur-Chefin, die Sache nun auf sich beruhen lassen kann. Oder ob jetzt auch professionelle Reflexe eine Rolle spielen werden.

Und zuletzt: Ich hoffe inständig, dass der FDP-Abgeordnete das Bild vor der Affäre um Brüderle geschickt hat – sonst rücken ihm die Parteifreunde auf den Pelz und es wird sehr schnell sehr eng.

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