Big Food?

Die moderne PR unternimmt gerade einen weiteren Schritt, der für PR-Schaffende wichtig werden wird – und nein, er ist ausnahmsweise nicht Social Media, sondern inhaltlicher Natur. Die nächste PR-Krisen-Branche steht fest. Die Gründung von Foodwatch durch ehemalige Greenpeace-Aktivisten im Jahr 2002, vermehrte Kritik an Tierhaltung, Düngemitteln, Umweltschäden und wachsendes Misstrauen gegen Lebensmittelhändler und -spekulanten sind starke Indikatoren: Food steht im Fokus.

Große Lebensmittelhersteller wie Nestlé spüren den Druck schon seit einigen Jahren, auch Lebensmittelhändler wie die Allianz werden derzeit als böse Spekulanten bezeichnet. Doch das Bewusstsein der Verbraucher wächst weiter. Ihre berechtigte Sorge schlägt mittlerweile auch bei kleineren Unternehmen auf – und stößt häufig auf verschlossene Türen, überarbeitete Presseleute oder nicht durchdachte Strategien. Das geht nicht lange gut.

Damit folgt die Entwicklung einem bekannten Muster aus der Geschichte der PR. Um 1890 wurde es für große Unternehmen auf der anderen Seite des Atlantiks vor allem wegen besonders aktiver investigativer Journalisten wichtig, PR zu betreiben. Einer dieser “muckraker” genannten Journalisten war beispielsweise der Österreicher Joseph Pulitzer, der vor allem Missstände aufdeckte. Die amerikanische Industrie musste daher ihre Pressearbeit professionalisieren, um sich verteidigen zu können – die Geburtsstunde von Profis wie Edward L. Bernays oder Ivy Lee, der zum Beispiel John D. Rockefeller vertrat, als es knackte.

Äußerer Druck war auch in den folgenden Jahrzehnten ein zuverlässiger Indikator für größere – und bessere – Presseabteilungen. Höherer Druck von außen ist leicht zu erklären: Bürger sorgen sich um ihr körperliches Wohlergehen. Einleuchtende Beispiele hierfür sind Chemie- und Pharmaunternehmen. Gerade Unternehmen aus diesen Branchen müssen Anwohnern, Kunden und Umweltaktivisten glaubwürdig erklären, dass sie weder der Gesundheit noch der Umwelt schaden. Das führte dazu, dass beispielsweise die BASF aus Ludwigshafen eine der größten und am besten ausgebildeten PR-Abteilungen mit ca. 550 Mitarbeitern unterhält. Und das führte ebenfalls dazu, dass mittlerweile selbst mittelständische Chemiebetriebe hervorragende PR leisten – müssen.

Da besonders Lebensmittel das Wohlergehen der Bürger betreffen, wird diese Entwicklung nun in der Lebensmittelbranche fortgeführt. Was steckt wirklich in der Wurst? Wie düngt ihr unsere Felder? Wie passen Hunger und Spekulation zusammen? Ist Massentierhaltung zeitgemäß? – Der Druck wird steigen.

Daraus ziehen wir zwei Schlüsse: Erstens sollten sich alle Unternehmen der Lebensmittelbranche fit für PR machen um Krisen vorzubeugen. Und zweitens werden wir in zehn Jahren zurückblicken und feststellen, dass die meisten Unternehmen dieser Branche diesem Ratschlag gefolgt sind – oder nicht mehr existieren.

Gut für die Konsumenten: Denn so werden sie ernst genommen und transparent informiert.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>