Big Food kommt näher

Am 9. Mai schrieb ich an dieser Stelle bereits vom Weg der Lebensmittelindustrie in die permanenten Krise – so wie Chemie und Pharma vor ihr:

Große Lebensmittelhersteller wie Nestlé spüren den Druck schon seit einigen Jahren, auch Lebensmittelhändler wie die Allianz werden derzeit als böse Spekulanten bezeichnet. Doch das Bewusstsein der Verbraucher wächst weiter. Ihre berechtigte Sorge schlägt mittlerweile auch bei kleineren Unternehmen auf – und stößt häufig auf verschlossene Türen, überarbeitete Presseleute oder nicht durchdachte Strategien. Das geht nicht lange gut.

Einer der Belege sind die Türen jener Unternehmen, die auch dieses Jahr wieder geschlossen bleiben. Der Anlass: Zum vierten Mal vergibt Foodwatch den Preis des “Goldenen Windbeutels”, der Kür zur frechsten Werbelüge. Fünf Artikel mit großen Namen stehen in der Vorauswahl. Der Gewinner wird per Online-Wahl gekürt. Ein gefährliches Instrument – im letzten Jahr haben immerhin 120.000 Besucher mit abgestimmt und damit einigen Marken für immer adé gesagt. Tendenz: steigend.

Das Problem ist nicht die Krise selbst – das Problem ist der Umgang mit ihr. Wo ist das offensive Unternehmen, das sich an die Spitze setzt, um die Sinnkrise der Konkurrenz auszunutzen? Wo sind die angegriffenen Unternehmen, die den Verbrauchern stichhaltig begründen, warum sie nicht lügen? Wo ist der Charakterkopf, der Klartext spricht? In welchen Talkshows sehen wir jemanden, der uns darlegt, dass Lebensmittel nicht böse sind? Das Schweigen liest sich wie ein Schuldeingeständnis.

Irgendjemand muss sich bewegen – so wie es Chemie und Pharma gelernt haben, in Dialog mit allen Anspruchsgruppen zu treten, so muss auch Food diesen Schritt gehen. Wer ihn nicht geht, wird auf der Strecke blieben. Ich empfehle jedem strategisch denkenden Unternehmen den Gang an die Öffentlichkeit mit einem glaubwürdigen Charakterkopf.

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